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das letzte erste mal

Tara Meister, 21, St.Veit an der Glan

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das letzte erste mal Tage fallen leise, John, und gesehen hab ichs nicht, weil der Dampf aus all den Töpfen mir das Brillenglas beschlug Und jetzt wisch ich, reibend suchend meine Gläser, die nicht schuld sind Reibe bis die Finger schmerzen, möchte aber nicht mehr sehen Wo sind sie hin die ersten Male Für die ich die Augen offen hielt Wer hat sie langsam still und heimlich aus dem Alltag rausgeklaubt Wie Rosinen aus dem Brot Der Teekessel beginnt zu pfeifen, alarmierend schrill und hoch Und ich drehe an all den Knöpfen, dreh und drehe bis er schweigt Tage fallen leise.. …und gesehen hab ich nur, dass die Stunden und die Messer stumpfer wurden, abgenutzt Blicke auf die Klingen vor mir, kenne meinen Gegner nicht Schneide mundgerechte Stücke Von dem kalten Fleisch für dich Lebendig ist allein die Küchenuhr Tage fallen leise, John, und gesehen hab ichs erst als die Scherben meiner nackten Füße Haut zerschnitten, leise, leise, sie und ich, dabei hätt ich so gerne einmal nur geschrien Ich geh in die Knie der Wunsch, es zu verbergen beugt mich kehre Scherben, von dem Boden auf die Schaufel Meine Hände und der Besen zittern Leise Scherben von der Schaufel in den Eimer Klappe zu so dass du sie nicht sehen musst wenn du kommst heute Abend oder nicht je nachdem ob du da bist, wenn du kommst oder nicht wieder nicht. Wir haben uns lange nicht gesehen, angesehen, John. Und das wo Ansehn doch so wichtig ist für uns. Tage fallen leise Hab ich die Scherben auch verschwinden lassen; meine nackten Sohlen bluten jeden meiner Schritte auf den kalten Küchenboden nackt ist er und leise sind wir beide doch das gottverdammte Rot laut so laut dass die Stille es nun einfach nicht mehr übertönen kann deine, meine nicht. Und jetzt schreien zerschnittne Schritte auf dem kalten Küchenboden rot ich hab die Schaufel noch in meiner Hand. Tage fallen leise, John. Wir haben sie beide nicht gehört.

Der Wunsch der Otrera

Mía Líf Moser, 13, Traun

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Der Wunsch der Otrera Damals, als die Griechen noch immer an Zeus und den Olymp glaubten, wurde in der Stadt Athen ein kleines Mädchen geboren. Der Vater, ein reicher Kaufmann, war unsagbar wütend. Wie sehr er sich doch einen tüchtigen Jungen gewünscht hatte, der seinen ganzen Besitz erben konnte und vielleicht sogar zur Leibgarde des Königs dazugehören durfte. Doch seine geliebte Frau starb bei der Geburt des Mädchens und der Schmerz des Vaters war so tief, dass er keine andere Frau mehr heiraten wollte, egal wie schön diese waren. So wurde sein sehnlicher Wunsch von einem männlichen Erben nicht wahr. Doch als das Mädchen, er nannte es Otrera, älter wurde, schien sich für ihn alles zum Guten zu wenden. Otrera war schön. Das schönste Mädchen in Athen. Vielleicht sogar von ganz Griechenland. Sie hatte viele Verehrer, die alles tun würden, um ihre Aufmerksamkeit zu erregen. Man könnte vielleicht denken, dass ihr das Ganze zu Kopf steigen würde. Dachte, sie sei Etwas besseres. Doch so war sie nicht. Sie hasste es, das sie ständig im Mittelpunkt stand. Sie hatte auch keine Freundinnen, da jedes Mädchen sie ihrer Schönheit wegen beneidete. Dabei konnte Otrera gar nichts dafür. Sie war so geboren. Geschwister hatte Otrera keine. Ihr gieriger Vater wartete nur darauf, sie gegen die wertvollste Morgengabe zu verkaufen, die ihm angeboten wurde. Da Mutter war bei ihrer Geburt gestorben, hatte Otrera niemanden bei dem sie ihr Herz ausschütten oder ihre Ängste teilen konnte. Irgendwann, da war sie vielleicht fünfzehn Jahre alt, begannen die Menschen, sie als die neue Aphrodite zu bezeichnen. Otrera stritt das energisch ab, da sie nicht ihn Ungnade bei der eitlen Liebesgöttin fallen wollte. Doch die Menschen redeten weiter. Immer wertvollere und teurere Morgengaben wurden ihrem Vater angeboten. Otrera wurde alles zu viel. Sie hatte Angst Aphrodite zu verärgern. Sie hatte Angst vor den Plänen ihres Vaters, dem es scheinbar egal war, wie ekelhaft ihre Anwärter waren. Sie wollte nicht heiraten. Nicht einmal,wenn der König höchstpersönlich ihr einen Heiratsantrag machen würde. Schließlich fasste Otrera einen Entschluss. Mitten in der Nacht ging sie in den heiligen Tempel der Artemis. Artemis war Otrera's Lieblingsgöttin. Nicht nur, weil sie die Göttin der Jagd war und Otrera sehr gerne auf Jagd ging, sondern auch, weil Artemis Jungfrau war. Otrera wollte auch Jungfrau bleiben. Sie hasste Männer, da diese sie nur als Trophäe oder gar als ein Stück Fleisch betrachteten. Otrera wollte auch keine Kinder. Sie fand diese kleinen Schreihälse nervig und betrachtete sie als Zeitverschwendung. Otrera kniete vor dem steinernen Altar nieder. Sie war die Einzige im Tempel. Die anderen schliefen gerade gemütlich in ihren Betten. Otrera betete fast eine Stunde lang. Als sie wieder aufsah, schmerzten ihre Knie von dem harten Steinboden und ihr Kopf war ganz schwummrig von den vielen Gebeten. Otrera begann zu weinen. Eine Hand legte sich tröstend auf ihren Rücken. Sie fuhr erschrocken herum. Ein Mädchen in ungefähr ihrem Alter stand hinter ihr. Ihre Augen strahlten eine gewisse Weisheit und Autorität aus. Obwohl sie sie noch nie zuvor gesehen hatte wusste sie sofort, wer das fremde Mädchen war. „Herrin“, flüsterte Otrera, verbeugte sich vor der Göttin der Jagd und versuchte, ihre Tränen unauffällig wegzuwischen. „Du willst also eine meine Jägerinnen werden?“, hakte Artemis nach. „Ja, Herrin.“ „Du möchtest auf ewig Jungfrau sein, deiner Schönheit zum Trotz?“ „Ja Herrin.“ „Selbst, wenn sich meine männlichen Verwandten deiner annehmen wollen würden? Zum Beispiel mein Bruder Apollo.“ Selbst bei einer solch großen Chance, änderte Otrera ihre Meinung gegenüber Männern nicht. „Ja, Herrin.“ Artemis musterte sie scharf mit ihren silbernen Augen. „Gut, dann schwöre auf dein Leben, dich niemals einer männlichen Kreatur hinzugeben und eine treue Jägerin zu sein.“ „Ich … ich schwöre.“ „Dann soll es so sein.“ Otrera konnte ihr Glück kaum fassen. Sie war tatsächlich eine Jägerin der Artemis! Kein noch so mächtiger Mann durfte sich ihrer mehr annehmen. Nicht einmal ihr eigener Vater hatte ihr mehr etwas zu sagen. Sie unterstand nur mehr noch den heiligen Befehlen der Göttin Artemis. „Herrin? Dürfte ich mich vielleicht noch von meinem Vater verabschieden? Ich weiß, er hat mich nur der Morgengabe wegen behalten, aber ich kann mich nicht einfach so aus dem Staub machen.“ Die Göttin nickte verständnisvoll. „Ich schicke morgen ein paar meiner Anhängerinnen vorbei, die dich dann abholen.“ Otrera bedankte sich stürmisch und hastete glücklich nach Hause. Am nächsten Morgen kam ihr Vater zufrieden ihn den großen Essraum und verkündete fröhlich, er habe den perfekten Ehemann gefunden. Er war ein Sohn des Hephaistos, der das Geschick seines Vaters, aber leider auch sein schreckliches Aussehen geerbt hatte. Nun war der Moment gekommen, auf den Otrera jahrelang gewartet hatte. Es war ihr persönliches Highlight, wie wir heute sagen würden. „Nein!“, sagte Otrera bestimmt. Nein?“, fragte ihr Vater erstaunt. „Nein!“ „Ich hör wohl nicht richtig. Ich bin dein Vater! Du hast mir gefälligst zu gehorchen! Du undankbares Biest!“ Ihr Vater bekam einen puterroten Kopf und war versucht, ihr mit der Peitsche eine hübsche Schramme ins Gesicht zu schlagen. „Hör auf Vater! Ich bin nun eine Jägerin der Artemis! Ich bin verbotenes Terrain! Du würdest dich gegen die Götter auflehnen.“ Otrera's Vater schnaubte wütend, legte die Peitsche jedoch wiederwillig beiseite. Niemals würde er den Zorn der Götter auf sich ziehen wollen. Jemand klopfte energisch gegen die Tür. „Ich gehe jetzt Vater. Ich wünsche dir noch ein schönes Leben.“ Otrera öffnete die Tür und folgte den Jägerinnen der Artemis in ihr neues Leben. Eine Geschichte von M. L. Moser

Das Spiel des Windes

Helene Aigner, 12, Leonding

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Es war ein stürmischer Tag. Selbst die Einwohner Dänemarks hatten sich in ihren kleinen Reethäusern verzogen und lauschten dem Regen, der an die Fenster klopfte wie kleine dünne Finger, welche um Einlass baten. Nur ein Mädchen war am Strand. Es hatte brustlange, ahornrote Haare, die selbst unter der Schicht aus nassen Tropfen leuchteten wie die Glut eines Kaminfeuers. Dazu trug es einen azurblauen Pullover und meerfarbene Jeans. Es war barfuß und stand bis zu den Knöcheln im eiskalten Meer, aber das Mädchen kümmerte sich nicht darum. Es schien sogar, als ob es die Momente stumm genoss. Allerdings war dies zu bezweifeln, weil es ein unvorstellbar kummer- und sehnsuchtsvolles Gesicht zeigt, während die letzen Töne der Trauermelodie, der sie lauschte, verklangen und die wispernden Wellen, die sie umgaben, immer mehr verschwanden. Ihre Hand umklammerte einen Muschelanhänger, der an einer silbernen Kette hing und perlmutten schimmerte. Eine Träne löste sich aus ihrem Augenwinkel, rann ihre Wange hinunter und verwandelte sich, noch bevor sie die Wasseroberfläche berührte, in eine Perle. Schließlich drehte sie sich um und schritt unsicher auf die Dünen zu, welche im Spiel des Lichts riesig wirkten. Die Surmböen machten ihr nichts aus. Zielstrebig, und doch zögerlich, stapfte sie durch den tränennassen Sand. Auf der Spitze der Düne drehte sie sich ein letztes Mal um, als ob sie auf ein letztes, rettendes Zeichen wartete. Das aufgepeitschte Dünengras schlug um ihre nackten Füße und der wirbelnde Sand stach sie wie Reisnägel, welche von unstichtbaren Händen geschleudert wurden. Dann wandte sie sich um und trat ihren schicksalsvollen Weg ins Reich der Menschen an. Vier Jahre waren vergangen. Vier Jahre, in denen Finja sich gefühlt hatte, wie in einem Käfig der Zeit gefangen. Und nun war es soweit. Der Moment, in den sie in ihren Träumen immer wieder eingetaucht war, würde bald real sein. Jetzt saß sie im Flugzeug nach Dänemark. Als die Turbinen gestartet wurden, hatte sie das Gefühl, als hätte sie zwei Rakten im Körper, an deren Zündschnur jeweils ein Streichholz gehalten wurde, und die Feuerwerke waren zwei ihrer stärksten Antriebe - Freude und Flugangst. Sie hatte die böse Vorahnung, dass bald eine dieser Raketen in die Höhe gehgen würde. "Still jetzt!", befahl sie ihnen in ihrem Kopf. Aber wie erwartet gehorchten ihre Gefühle nicht. Da fing das Flugzeug zu rollen an. Als sich die Spitze gegen den Himmel reckte, klammerte sie sich an ihrem Sitz fest und ihre Fingernägel hinterließen halbmondförmige Spuren im Stoff. Doch als der Flieger durch die Wolkendecke stieß, konnte selbst ihre Angst nicht mehr gegen das Bild an, das sich ihr jetzt bot. Ein schmaler Streifen Licht am Horizont erhellte den ansonsten nachtschwarzen Himmel, weshalb er wirkte wie in eine Mischung aus Gold und Kupfer getunkt. Die Sterne im Westen sahen aus wie Sprenkel, die jemand unachtsam mit der selben Legierung erzeugt hatte - wunderschön. Doch der Moment der Bewunderung dauerte nicht lange an, denn nun ging das Flugzeug in Schräglage und Finja riss erschrocken die Augen auf. Als es sich wieder gerade legte, atmete sie die Luft, die sie, von sich selbst unbemerkt, angehalten hatte, aus. Mit der Zeit wurde der Himmel heller und nahm ein durchdringendes kobaltblau an. Die Sterne verblassten. Finja wagte einen Blick aus dem Fenster, woraufhin sie lächeln musste. Unter ihr zog das Meer dahin. Kleine Wellen sprangen ihr entgegen, wie winzige Hunde, die von ihrem Herrchen beachtet werden wollten. Oder wie Delfine. Dabei hätte sich das Wasser nicht einmal Mühe geben müssen. Finja wollte sowieso nichts anderes als das Meer. Nach einiger Zeit setzte der Flieger zum Landeflug an. Kaum waren sie unter den Wolken, setzte ihre Flugangst wieder ein. Den Boden so tief unter ihren Füßen zu sehen, war noch schlimmer, als nur die Wolken zu erblicken. Die verschleierten wenigstens den Abstand zwischen ihr und der Erde. Einige schreckliche Minuten später setzte das Flugzeug auf der Landebahn auf und Finja stieg erleichtert auf den Asphalt. Anschließend holte sie ihr Gepäck und fuhr mit einem gebuchten Reisebus zur Westküste der Nordsee. Die Landschaft sah genaus aus, wie sie sie in Erinnerung hatte. Die Straßenränder waren von Heckenrosen gesäumt, die weißen Ortsschilder mit den dänischen Namen - wenn sie nicht schon hier gewesen wäre, hätte sie Heimweh bekommen. Und dann - Finja hatte sich oft ausgemalt, wie es wohl sein würde, die Dünen zum ersten Mal wiederzusehen. Doch was sie jetzt sah, raubte ihr den Atem. Ein Meer aus Dünen zog sich über die Landzunge. Dazwischen waren wie Tupfen bunte Häuser verteilt. Es schienen alle Farben vertreten - blau, rot, weiß. Fast hätte sie vor Freude aufgeschrien, aber das wäre in einem Bus voll mit Leuten vermutlich nicht so gut angekommen. Als sie die Station "Hvide Sande" erreichten, sprang Finja aus dem Bus. Es war ein wunderbares Gefühl. Der Wind pfiff in ihren Ohren und schien zu flüstern: "Los. Renn. Gleich hinter den Dünen ist das Meer." Finja wusste, was sie zu tun hatte. Sie breitete ihre Arme aus und befahl dem starken Wind, sie zu tragen. Und dann konnte sie es nicht mehr beschreiben. Es war ein wunderbares, befreiendes Gefühl, wieder aus eigener Kraft zu fliegen. Dennoch war es ein wenig eigenartig, denn sie hatte Angst vor dem Fliegen in Flugzeugen, aber das Befehligen des Windes machte sie einfach nur glücklich. Finja flog höher und ließ sich zu den Dünen tragen, die zwei Kilometer westlich lagen. Als sie landete, lief sie sofort den weißen Sand die Düne hoch, wähernd ihre Hände die im Wind treibenden Gräser streiften. Die Luft roch salzig, ein Beweis des nahen Meeres. Dann kam sie auf der Spitze der Düne an, auf der sie vor so vielen Jahren schon einmal gestanden hatte. Der Moment war überwältigend. Ein langer Strand reckte sich nach Norden und Süden und dahinter lag das Meer. Da Rauschen der Wellen und die Schreie der Möwen lösten in ihr das gleiche Glücksgefühl aus wie ein Lieblingslied, nur hundertfach verstärkt. Und dann rannte sie los. Der Sand knirschte unter ihren Füßen und der Wind begleitete sie zum Meer, welches in der Sonne glitzerte wie tausende verflüssigte Diamanten. Als sie am Wasser ankam, lief sie in die Wellen, die sich aneinander brachen. Finjas Hand griff nach dem Muschelangänger an ihrem Hals. "Ich bin zu Hause", sagte sie.

 

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